Sexarbeit & Behinderung

Sexualität von behinderten Menschen erfährt zunehmend mehr Akzeptanz, wird aktiv eingefordert und breit diskutiert. Der Schleier des gesellschaftlichen Tabus scheint hier leichter zu durchbrechen zu sein – auch im Kontext zu Sexarbeit.

Dem folgt move e. V. und bietet in Einzelberatungen, Workshops und Seminaren Infos, Debatten und konkrete Hilfestellungen an.
Fachtagungen ergänzen diesen Ansatz und bieten bei einer breiteren Öffentlichkeit eine gute Diskussionsgrundlage. Verantwortlich waren dafür das Team um Dr. Martin Theben, Matthias Vernaldi (gestorben am 09. März 2020) und Stephanie Klee mit vielen weiteren Kooperationspartner*innen.

 

Hier einige Eindrücke von den Fachtagen:

„Sex, Work & Disability“ am 17. Oktober 2019 in Berlin

Im Rahmen des PorYes-Festivals führten wir Workshops und eine Podiumsdiskussion durch. Dabei wurde die Bedeutung von Selbstbestimmung als zentrales Element eines sex-positiven Feminismus herausgestellt und deutlich gemacht mit welchen Stereotypen Sexarbeiter*innen und Personen mit Behinderung es zu tun haben.

Mit dabei waren:

  • Prof. Loree Erickson,
  • Queer Crip Aktivistin aus Canada,
  • Matthias Vernaldi, Gründer von Sexybilities,
  • Sindi, Sexarbeiterin,
  • Laura Meritt, PorYes
  • Stephanie Klee, Sexualassistentin.

Weitere Infos: move-fachtagung.de

„Die Demokratisierung der Lust“ am 30. August 2018 in Berlin

Diese Fachtagung verstand sich als Fortsetzung der Diskussionsschwerpunkte von der 1. Fachtagung „Trübe Sehnsüchte oder verwirklichte Rechte – Sexualität in Einrichtungen“. Der besondere Ansatz bestand darin, gelebte Sexualität als Menschenrecht und nicht als Privileg zu verstehen.
Denn Lust ist mit Macht verbunden – mit Macht über sich selbst. Und sie stellt ein Privileg dar. So wird bestimmten Personengruppen die Respektierung ihres erotischen Wertes verweigert, die Ausübung ihrer Sexualität als schädlich definiert und reglementiert. Das wird zum Beispiel bei alten und behinderten Menschen deutlich, aber auch bei Prostituierten.

Mitwirkende:

  • Stephanie Klee, Sexarbeiterin,
  • Dr. Martin Theben, Rechtsanwalt,
  • Matthias Vernaldi, Sexualberater,
  • Katja Alekseev, Bloggerin)
  • Ed Greve, Aktivist
  • Carol Wilhelm, Leiterin einer Senioreneinrichtung.

Die Fachtagung wurde zunächst für Oktober 207 geplant, wegen Krankheit verschobenen und fand dann am 30. August 2018 statt. Das ursprünglich geplante Programm ist dennoch lesenswert.

„Trübe Sehnsüchte oder verwirklichte Rechte – Sexualität in Einrichtungen“ am 11. Oktober 2013 in Berlin

Damals schrieben wir: „Die Zeiten, in denen die Sexualität von Senioren oder schwerbehinderten Menschen mit einem Tabu belegt war, gehen zu Ende. Sexualität erfährt schon seit geraumer Zeit eine hohe Wertschätzung. Sie gibt Kraft, stärkt das Selbstvertrauen und stellt ein Grundbedürfnis dar wie Essen, Trinken, Gesundheit, Arbeit und eine Wohnung – und zwar von der Wiege bis zur Bahre.
Die Menschen werden deutlich älter als noch vor 20 Jahren. Ein offenerer Umgang mit Sex ist seit den 60ern zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Ersten, die das in der Breite im Alltag lebten, sind die jetzt über 70-jährigen. So gehen sie auch als Senioren noch neue Partnerschaften ein oder versuchen, ihren Bedürfnissen außerhalb fester Beziehungen zu entsprechen. Diese Generation nimmt es nicht mehr als gegeben hin, dass Abhängigkeit von Pflege den totalen Verzicht auf Sexualität bedeuten muss.
Menschen, die in Einrichtungen leben müssen, fordern immer deutlicher ihr Recht auf Sexualität und Beziehung ein. Doch häufig fehlt es den Trägern an sexualpädagogischen Konzepten, erst recht an Möglichkeiten der praktischen Anleitung.
Während der Fachtagung wird das Thema Sexualität in Einrichtungen von unterschiedlichen Disziplinen aus beleuchtet und praktische Handlungsansätze sollen vorgestellt und diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen praktische Erfahrungen. Im Sinne des Best-Practice-Ansatzes sollen Lösungsansätze gefunden und Antworten auf vielfältige Fragen gesucht werden.“

Mitwirkende:

  • Roland Walter + Marie Golüke: Performance: „If disabled people feel“
  • Dr. med. Alfred Pauls, Sexualwissenschaftler, Internist/ Berlin: „Dimensionen menschlicher Sexualität“
  • Margret Hauch, Psychologische Psychotherapeutin,  Sexualwissenschaftlerin/Hamburg: „Sexualität, ein Lebensthema. Lust und Last“
  • Stephanie Klee, Sexualbegleiterin/Berlin: „Balance – Inspiration – Energie“
  • Matthias Vernaldi, Sexualberater/Berlin:  „In der Not frisst der Teufel auch Fliegen“
  • Dr. Martin Theben, Jurist/Berlin: „Mein Recht auf Sex“
  • Reinald Purmann, FB Behindertenhilfe beim Paritätischen Wohlfahrtsverband/Berlin: „Sex auf Krankenschein – muss das sein?“
  • Bettina Stange, Stephanus-Seniorenzentrum/Berlin: „Gelebte Sexualität im Seniorenpflegeheim – ein  Praxisbeispiel“
  • Detlef Kolbow, Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt/Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales/Berlin: „Fragestellung aus der Sicht der Verwaltung und Politik“

Wir weisen gern auf die ausführliche Nachlese und den umfangreichen Reader zu dieser Fachtagung hin.

Wir vermissen Matthias Vernaldi

Wir vermissen Matthias Vernaldi

Am 09. März 2020 starb unser Freund und Mitstreiter Matthias. Wir vermissen ihn sehr.
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